Die erste Junghans Armbanduhr!

Das Kaliber 13''' - NOBRK

später genannt Junghans J53

Für mich als begeisterten Junghans Vintage Sammler war viele Jahre ein unereichbar scheinendes Ziel eine der seltenen ersten Junghans Armbanduhren zu ergattern.

Eine Uhr mit dem Kaliber 13''', das später zum Kaliber Junghans J53.

Weshalb gibt es unterschiedliche Bezeichnungen?

Zu dieser Zeit hatte Junghans noch zwei unterschiedliche Fabrikmarken, den achtzackigen Junghansstern für die Qualitätsuhren, die im Werk in Schramberg produziert wurden und einen Schmetterling für die im Zweig-Werk Schwenningen produzierten Uhren.

Das Kaliber 13''' trug noch den Schwenninger Schmetterling, die später im Schramberger Hauptwerk hergestellten Uhren mit dem leicht veränderten Werk trugen auf der Platine die 53 als Kaliberbezeichnung.

Diese frühesten Uhren mit dem Kaliber 13''' wurden Ende der 20er Jahre produziert und auf dem Zifferblatt befindet sich häufig der Name „NOBRK“, der ein Hinweis auf die unzerbrechlichen (NOBRK = NOnBReaKable) Lagerzapfen der Unruhwelle sein soll.

Auf den Verkaufskartons steht:

„NOBRK“ (Pronounced NO-BREAK) …When a watch falls it is usually the balance staff pivot that breaks. The balance staff pivot of NOBRK is so constructed that it is shock-proof and practically NONBREAKABLE.

NOBRK

= NOnBReaKable

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Junghans J53 NOBRK; Front; Carré Illusion

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Junghans J53 NOBRK; Front ohne Glas; Front without glas

Lange wurde angenommen, dass das Kaliber J53 eine Entwicklung der Firma Thiel war.

Sicherlich gab es einige Verknüpfungen zwischen Junghans und der Firma Thiel aus Ruhla in Thüringen, die schon früh (ab 1908/09) Armbanduhren z. B. des Typs Darling produzierten. Der Konstrukteur Alex Dürer wechselte 1895 von Thiel zur Firma Thomas Haller nach Schwenningen. Bekanntermaßen fusionierte Junghans und Thomas Haller im Jahr 1900 zur “Vereinigte Uhrenfabriken Gebrüder Junghans & Thomas Haller AG, Schramberg” (siehe auch: Thomas Ernst Haller, Kaliber “Meta”). Im Jahr 1902 trennten sich die beiden Firmen (mündlich) jedoch wieder. Rechtlich vollzogen wurde dieser Schritt aber erst im Jahr 1911. Die Firmengebäude in Schwenningen blieben jedoch im Besitz von Junghans. Ob auch der Konstrukteur Alex Dürer bei Junghans blieb ist unklar.

Vielleicht wurde aus diesem Grund lange vermutet, dass die ersten mit dem Namen Junghans gekennzeichneten Armbanduhren aus Thielscher Produktion stammten.

Ein wesentlich entscheidender Hinweis auf den Ursprung und die Entwicklung der frühesten Junghans Armbandkaliber stammt aus dem für Uhrensammler unverzichtbaren Buch "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980": Die beiden Techniker Eppler und Pfaff, die in den 1920er Jahren bei Junghans an der Entwicklung von Armbanduhrkalibern arbeiteten, brachten dort ein 10.5 Linien Stiftankerwerk zur Serienreife. Um 1930 wechselten beide von Junghans zur Uhrenfabrik Wilhelm Eppler in Schwenningen und wurden dort Gesellschafter, wo weiterhin an der Entwicklung von Kalibern gearbeitet wurde. Ähnlichkeiten zu dem 10.5''' Kaliber Eppler 1 dürften also nicht von ungefähr kommen.

Das Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie von Hans-Heinrich Schmid erscheint im Januar 2017 in einer 3. und damit letzten Ausgabe.

Thiel Start

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Thiel Start; Ausführung 3; ca. 1952; Front

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Thiel Start; Ausführung 3; ca. 1952; Werk; movement

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Die oben gezeigte Thiel Start ist deutlich jünger als die ersten Junghans-Armbanduhren, trotzdem habe ich hier die Gelegenheit, die Uhr zu präsentieren, da es die Jugend-Uhr meines Vaters ist. Die Uhr dürfte um 1952 datieren.

Das Junghans Kaliber 13''' - ein Eigenprodukt aus Schwenningen

Nach diesem kleinen Off-Topic-Ausflug zurück zum J53:

Das Kaliber Junghans J53 entstand im Junghanswerk in Schwenningen und dürfte ein Junghans-Eigenprodukt sein. Es wurde als Taschenuhr für Damen (im Katalog von 1927: „Damen-Ankeruhr“) auch unter dem Namen „Miss“ vertrieben.

Die Armbanduhren, im Katalog von 1927: „Armband-Ankeruhren“ genannt, wurden nach ihrer Gehäuseform benannt:

Rond, Carré, Carré Illusion und Octogon und waren jeweils vernickelt und glatt poliert oder vergoldet.

Datierung

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Trade-Mark Registration NOBRK 1927

Alle von mir erworbenen Junghans Kaliber 13''' stammen aus den USA oder Großbritannien.

Die Registrierung der Marke "NOBRK" fand am 27. September 1927 in den USA statt (vielen Dank, Uwe, für den Hinweis!).
Der Name „NOBRK“ wurde am 28.4.1927 von der „Smith America Inc.“ in New York (USA) registriert (Quelle: http://www.mikrolisk.de).

Weitere Quelle: NOBRK filed: May 12, 1927; used since: April 28, 1927 (United States Horological Trademark Index – Registered U.S. Trademarks of Domestic and Foreign Watches & Clocks; Kurtis Meyers).

Ein Schmetterling ziert das Werk

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Junghans 13''' NOBRK; Werk; movement; Carré Illusion

Junghans-J53-NOBRK-Werk-movement.png

Junghans 13''' NOBRK; Werk; movement

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Junghans 13''' NOBRK; Bodendeckel innen; case back inside

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Junghans 13''' NOBRK; Bodendeckel innen; case back inside

Der Schmetterling, der auf den Uhrwerken und auf der Bodendeckelinnenseite zu sehen ist, wurde am 13.2.1925 in Schramberg von der Firma Junghans AG registriert (Quelle: http://www.mikrolisk.de).

Ich würde die Produktion des Junghans Kaliber 13''' demnach auf 1927 setzen, die Deutsche Gesellschaft für Chronometrie gibt 1929 an.

Auf in das Jahr 1927!

  • Charles Lindberg fliegt als erster Mensch nonstop über den Atlantik von New York nach Paris. Der 13. Mai ist der „Schwarze Börsenfreitag“ in Berlin, der Aktienindex des Statistischen Reichsamtes an der Börse Berlin bricht innerhalb eines Tages um 31,9 Prozent ein.
  • Der Eintritt in den New Yorker Tanzclub „Savoy Ballroom“ kostet 0.50 US $. Im Cotton Club kostet ein Steak Sandwich 1.25 $. Ein Mantel aus Waschbärenfell kostet 39.50 $.
  • Tageslohn bei Ford offiziell: 5.00 $, in der Regel aber nur: 2.50 $
  • Das Durchschnittsjahreseinkommen (1927) in Deutschland beträgt 1.742,00 RM.

Eine Junghans mit dem Kaliber 13''' NOBRK kostete 5.00 $.

  • Heute (2014) würde dies inflationsbereinigt einem Wert von ca. 185 US-Dollar entsprechen.
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Junghans J53 NOBRK; Werk; movement

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Junghans J53 NOBRK; Werk zifferblattseitig; movement dialside

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Junghans J53 NOBRK; Rückseite; back

Weiterführende Daten zum Werk sind hier zu finden: Junghans J53 NOBRK

Die Ingersoll-Varianten

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Junghans J53 Ingersoll Variante; Front; Zeiger nicht original; hands not original

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Junghans J53 Ingersoll Variante; Front; Fundzustand

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Junghans J53 Ingersoll Variante; Werk; movement

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Junghans J53 Ingersoll Variante; Rückseite; back

Das Junghans J53 wurde auch von der Firma Ingersoll verbaut. Weitere Informationen und Fragen zu diesem Thema habe ich hier gestellt: Der Ingersoll-Report.

Weitere Varianten Kaliber 13'''

Schwenningen

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Junghans 13''' NOBRK Octogon; Sammlung Weisser

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Junghans 13''' NOBRK Octogon; Sammlung Weisser

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Junghans 13''' NOBRK Octogon; Sammlung Weisser

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Junghans 13''' NOBRK rond; Sammlung Finkbeiner

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Junghans 13''' NOBRK rond; Sammlung Finkbeiner

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Junghans 13''' NOBRK rond; Sammlung Finkbeiner

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Junghans 13''' Carré NOBRK; Sammlung Finkbeiner

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Junghans 13''' Carré NOBRK; Sammlung Finkbeiner

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Junghans 13''' Carré NOBRK; Sammlung Finkbeiner

Vielen Dank an Michael Weisser und Jens Finkbeiner!

Weitere Varianten Junghans J53

Schramberg

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Junghans J53 rond; Sammlung Weisser

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Junghans J53 rond; Sammlung Weisser

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Junghans J53 rond; Sammlung Weisser

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Junghans J53 rond; Sammlung Finkbeiner

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Junghans J53 rond; Sammlung Finkbeiner

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Junghans J53 rond; Sammlung Finkbeiner

Und noch eine, diesmal mit originalen Zeigern in der "Carré"-Form

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Junghans J53 NOBRK; Front; Carré

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Junghans J53 NOBRK; Front; Carré; ohne Glas; without glas

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Junghans J53 NOBRK; Detail Zifferblatt; dial

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Junghans J53 NOBRK; Zifferblatt; dial

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Junghans J53 NOBRK; Carré; Werk; movement

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Junghans J53 NOBRK; Carré; Detail Unruh; Balance staff

Im seitlichen Licht ist gut erkennbar, in welcher Höhe damals die Radium-Leuchtmasse aufgetragen wurde.